Die Tate Modern öffnete ihre Türen erstmals am 11. Mai 2000 und verwandelte das ehemalige Kraftwerk Bankside an der Themse in eine weltweite Ikone für moderne und zeitgenössische Kunst. Der 134 Millionen Pfund teure Umbau wurde von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfen, die 1995 den Zuschlag für die Neugestaltung des Industriegebäudes erhielten.

Das Kraftwerk Bankside: Eine Kathedrale der Industrie

Bevor hier Werke von Picasso und Warhol ausgestellt wurden, war das Gebäude der Tate Modern das Kraftwerk Bankside. Entworfen von Sir Giles Gilbert Scott, demselben Architekten, der auch für die Battersea Power Station und die klassische rote Telefonzelle verantwortlich war, wurde das Gebäude in zwei Phasen zwischen 1947 und 1963 erbaut. Sein einzelner, zentraler Schornstein ist 99 Meter (325 Fuß) hoch – eine Höhe, die bewusst so gewählt wurde, dass er niedriger ist als die Kuppel der St Paul's Cathedral auf der anderen Seite des Flusses.

Das Kraftwerk war ein kolossaler, mit Ziegeln verkleideter Stahlskelettbau von etwa 200 Metern Länge. Es wurde mit Öl befeuert und versorgte London jahrzehntelang mit Strom, bis steigende Ölpreise und veraltete Anlagen 1981 zur Schließung führten. Jahrelang lag das Gebäude brach, seine Zukunft war ungewiss. Es gab viele Vorschläge, doch die Ankündigung der Tate Gallery im April 1994 besiegelte sein Schicksal als neues Zuhause für internationale moderne Kunst.

Herzog & de Meuron: Eine visionäre Verwandlung

Im Januar 1995 gewannen die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron einen internationalen Wettbewerb für den Umbau des Kraftwerks. Ihr Entwurf wurde für seinen Respekt vor dem rohen, industriellen Charakter des ursprünglichen Gebäudes gefeiert, während er gleichzeitig innovative neue Elemente einführte. Anstatt das Bauwerk abzureißen, machten sie es sich zu eigen. Die riesige Turbinenhalle, in der einst die gewaltigen Stromgeneratoren standen, wurde zu einem beeindruckenden, fünfstöckigen Eingangsbereich und einem Raum für großformatige Kunstinstallationen. Das ehemalige Kesselhaus wurde in die Hauptgalerien umgewandelt.

Zu den wichtigsten Merkmalen des Umbaus gehörte ein zweistöckiger Glasaufbau auf dem Dach, bekannt als „Light Box“, der nicht nur Galerieräume bot, sondern auch als Leuchtfeuer in der Londoner Skyline diente. Die Bauarbeiten begannen im Juni 1995 und wurden im Januar 2000 abgeschlossen. Die Queen eröffnete die Galerie offiziell am 11. Mai 2000, und sie war ein sofortiger Erfolg: Allein im ersten Jahr zog sie 5,25 Millionen Besucher an – mehr als doppelt so viele wie alle anderen Tate-Galerien zusammen im Vorjahr.

Wachstum und Erweiterung: Das Blavatnik Building

Die Beliebtheit der Tate Modern übertraf alle Erwartungen, was zu einem großen Erweiterungsprojekt führte, um die Fläche um 60 % zu vergrößern. Die erste Phase umfasste 2012 die Eröffnung von „The Tanks“, den weltweit ersten Museumsgalerien, die dauerhaft der Live-Kunst gewidmet sind und sich in den ehemaligen unterirdischen Öltanks des Kraftwerks befinden.

Das Herzstück der Erweiterung war ein neuer zehnstöckiger Turm, der am 17. Juni 2016 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Ursprünglich Switch House genannt, wurde er 2017 nach einer großzügigen Spende des Milliardärs Sir Leonard Blavatnik in Blavatnik Building umbenannt. Dieser kantige, mit Ziegeln verkleidete Anbau, ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfen, bot mehr Galerieräume und eine öffentliche Aussichtsterrasse auf der obersten Etage mit einem atemberaubenden 360-Grad-Blick über London.

Wichtige Daten in der Geschichte der Tate Modern

  • 1947–1963: Das Kraftwerk Bankside wird in zwei Phasen erbaut.
  • 1981: Das Kraftwerk stellt die Stromerzeugung ein und wird geschlossen.
  • 1994: Die Tate Gallery gibt bekannt, dass Bankside der Standort für eine neue Galerie für moderne Kunst sein wird.
  • 1995: Die Architekten Herzog & de Meuron werden für das Umbauprojekt ausgewählt.
  • 2000: Die Tate Modern wird am 11. Mai von Königin Elisabeth II. eröffnet.
  • 2012: The Tanks, gewidmet der Live-Kunst und Performance, werden für die Öffentlichkeit geöffnet.
  • 2016: Der neue Anbau Switch House (heute Blavatnik Building) wird am 17. Juni eröffnet.
  • 2017: Das Switch House wird offiziell in Blavatnik Building umbenannt.

Heute ist die Tate Modern die beliebteste Kunstgalerie Großbritanniens und beherbergt die nationale Sammlung internationaler moderner und zeitgenössischer Kunst von 1900 bis heute. Ihre Geschichte ist eine bemerkenswerte Erzählung von städtischer Erneuerung und architektonischer Vision, die ein Symbol der Industrie in eine weltweit führende Kulturinstitution verwandelt hat. Um diesen einzigartigen Ort selbst zu erleben, können Sie Tickets für Sonderausstellungen buchen oder einen kostenlosen Besuch der Hauptsammlung planen.

Häufig gestellte Fragen

Bevor es eine Kunstgalerie wurde, war das Gebäude der Tate Modern das Kraftwerk Bankside. Es wurde von Sir Giles Gilbert Scott entworfen und erzeugte von den frühen 1950er Jahren bis zu seiner Schließung 1981 Strom für London.

Wann wurde die Tate Modern eröffnet?

Die Tate Modern wurde am 11. Mai 2000 offiziell für die Öffentlichkeit eröffnet. Sie wurde von Königin Elisabeth II. eingeweiht und begrüßte im ersten Jahr 5,25 Millionen Besucher.

Wer hat das Gebäude der Tate Modern entworfen?

Das ursprüngliche Kraftwerk Bankside wurde von Sir Giles Gilbert Scott entworfen. Der preisgekrönte Umbau in eine Kunstgalerie wurde vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron gestaltet, das auch die Erweiterung von 2016 entworfen hat.

Wie viel kostete der Umbau der Tate Modern?

Der ursprüngliche Umbau des Kraftwerks Bankside in die Tate Modern kostete 134 Millionen Pfund und wurde im Jahr 2000 abgeschlossen. Die große Erweiterung, die 2016 eröffnet wurde, kostete weitere 260 Millionen Pfund.

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